/\ Das zündende Mikro 2021 – Die Nominierten

Debüthörstücke in alphabetischer Reihenfolge (#DZM).

Annedore Bauer: Die Unantastbaren / 58:27

Eine Kleinstadt in der BRD der 1970er und 1980er Jahre. Dort erlebt sie ihre Kindheit in einer Einrichtung für geistig und körperlich behinderte Menschen. Draußen: Esspapier, amerikanische Soldaten und die Fahndungsplakate der RAF. Drinnen: eine protestantisch geprägte Welt inmitten nicht perfekter Körper. Ein Hörspiel voller Widersprüche. Über das Erinnern, die Sehnsucht nach heiler Kindheit und die erneut dringliche Frage: Was wird mit jenen, die sich nicht optimieren können?

Viola Gabor: Klangspiel Corona Ciao / 19:09

Es handelt sich um ein reines O-Ton Klangspiel. Es wurden Gedanken, Lieder und Geräusche in einer Grundschule aufgenommen – zu den Themen: Was macht Dich glücklich? Wann fühlst Du Dich frei? Wenn Du mal nicht so glücklich bist, was hilft Dir dann? Was machst Du wenn Dich Corona mal so richtig nervt? Woher kommt Corona eigentlich? Wie klingt der Virus? Vieles hat sich geändert…was für Dich? Durch den Zusammenschnitt scheinen die Kinder alle gemeinsam in einem Raum gewesen zu sein.

Maik Martschinkowsky: Verwünscht / 06:09

Eine Fee gewährt einem (nicht mehr ganz jungen) jungen Mann drei Wünsche. Der möchte dafür aber erstmal die Rahmenbedingungen klären.

Sarah Marie Meinert: Miss Kommunikation 2.0 / 35:53

Eine Erinnerung ausgestalten und die bessere Geschichte erfinden. Das ist doch mal Selbstkundgabe über Irrelevanz. Und die Sprache? Ist nicht echt. Ist verdichtet. Ist aufgeschrieben. Ist der Idiolekt eines Schauspielers in der Improvisation eines Charakters. Hab ich jetzt voll nicht naturalistisch skizziert (zum Beispiel). Echt ist nur: wir haben uns nicht verstanden. Du hast Alien gesprochen und ich hab Französisch gegoogelt. Oder so.

Irene Aurora Paci: Io sono il filo / 10:56

Io sono il filo is the audio tale of a workshop gathering new-mothers around embroidery. All these women live in a neighborhood in the easter suburbs of Rome and come from different countries: Egypt, Morocco, Congo, Senegal … Through embroidery they tell each other about their childhood, migration and parental experience.

 „Io sono il filo“ ist die Audiogeschichte eines Workshops, der neue Mütter rund um die Stickerei versammelt. Alle diese Frauen leben in einem Viertel in den östlichen Vororten von Rom und kommen aus verschiedenen Ländern: Ägypten, Marokko, Kongo, Senegal … Durch die Stickerei erzählen sie sich gegenseitig von ihrer Kindheit, Migration und elterlichen Erfahrungen.

Franziska Pester & Josh Merlis: PROUD-SPIDER-O-MOVE / 06:58

Josh Merlis kreierte das Programm: „Synaesthetic,“ das es möglich macht, Bilder in Klänge umzuwandeln. Pester und Merlis machten Bilder und nahmen Sounds in Ihren Wohnungen auf. Die Bilder zeigen Stellen, an denen sie Sounds wahrnahmen, welche eventuell durch die Waschmaschine der Nachbarn oder durch Renovierungsarbeiten selbiger entstanden. Weiter beschäftigten sich Merlis und Pester mit dem Phänomen des Echos. Viele O- Worte kommen als Echosampels in einem flirrenden Rauschen zum Klingen.

Raststättentheater: Ich höre weiter / 10:00

Corona bricht in Deutschland aus. Auf den Straßen Autos mit Lautsprechern auf dem Dach, die einen darum bitten zu Hause zu bleiben. Auf allen Kanälen: Fallzahlen, Pressekonferenzen und Masken-Tutorials. Gleichzeitig Wohnungen, in denen Menschen verzweifelt versuchen über Skype eine Verbindung mit der Außenwelt herzustellen. Was passiert wenn man das Ohr gegen diese Wohnungstüren presst und lauscht? Was tritt zu Tage, wenn alles normale Leben wegfällt?

Karolina Szulejewska: U8 / 20:00

Die U8 ist viel mehr als ein Verkehrsmittel, das Fahrgäste von A nach B bringt. Sie ist ein einmaliger Mikrokosmos, in dem man Berlins Diversität mit allen Sinnen erleben kann. In einem Waggon kann man mehr Sprachen hören als man Finger an beiden Händen zählen kann, Die U8 hat einen wilden Stil, sie wird die Freak- Drogen- und Bettlerlinie genannt. Wer sind die Fahrgäste? Eine Erinnerung an die bunte, laute Welt ohne Abstand.

Mareike Trillhaas: 30 auf 60 / 02:33

Ein Publikum wird über Funkansagen gesteuert, aber es gibt ein Wesen, das zuschaut und eingreift. Was nicht als Befreiung gemeint war, gerät zum Tumult, und am Ursprungsort ist bald alles wie vorher …