/// Das lange brennende Mikro – Die Nominierten

Hörstücke bis 60 Minuten in alphabetischer Reihenfolge (#LBM) und die Selbstdarstellungen ihre Autor:innen.

Bettie I. Alfred: Scheinwut / 54:04

„Scheinwut“ ist der dritte Teil der Wut-Trilogie von Bettie I. Alfred. Hauptfigur ist wieder Lissy Heiliger, die auch als Erwachsene sehr klein geblieben ist. Sie scheitert immerzu an sich und der Welt. Im dritten Teil nun, der Scheinwut, wird ihre Wut zwar weniger, jedoch ist am Ende dann trotzdem nichts mehr zu retten. Der Anfang ist jedoch zum Glück entscheidend, nicht das Ende, so Lissy.

Annedore Bauer: Die Unantastbaren / 58:27 *

Eine Kleinstadt in der BRD der 70-er und 80er Jahre. Dort erlebt sie ihre Kindheit in einer Einrichtung für geistig und körperlich behinderte Menschen. Draußen: Esspapier, amerikanische Soldaten und die Fahndungsplakate der RAF. Drinnen: eine protestantisch geprägte Welt inmitten nicht perfekter Körper. Ein Hörspiel voller Widersprüche. Über das Erinnern, die Sehnsucht nach heiler Kindheit und die erneut dringliche Frage: Was wird mit jenen, die sich nicht optimieren können?

Mariola Brillowska: Snørre Snørrensønsøn / 55:18

Pola Bipolar wäre gerne Meeresbiologin geworden, stattdessen arbeitet sie als Köchin auf der deutschen Forschungsstation „Polarstern”, wo sie ihren alten Schulfreund, den zeitgenössischen Musiker Snørre Snørrensønsøn wiedertrifft. Er ist Akustik-Forscher für „Polarstern“, die den Klimawandel untersucht. Dafür nimmt Snørre Geräusche der schmelzenden Schneeflocken auf. In Vergangenheit arbeitete er als Loop-Bastler für Björk, Enya und Tricky.

Ensemble 23: Was Ihr wollt! – oder auch nicht / 21:47

Große Pandemien erfordern große Taten, also hört! Welches Drama hätte sich Shakespeare im Lockdown einfallen lassen? Ensemble 23 wollte einfach alles, „Was Ihr wollt!”, von Shakespeare spielen. Dann kam eine Pandemie dazwischen. Keine Proben, keine Aufführungen – was wird jetzt aus dem Stück? Ensemble 23 trotzt Corona mit einer Audiopremiere und einem Drama shakespearschen Ausmaßes über die Schwierigkeit zu proben im Hygienemodus. Ein Sturm bricht los, wenn jemand das Meeting verläßt.

Clemens Hoffmann: Pangäa Ultima / 41:09

Fred befindet sich auf Forschungsreise durch Pangäa, der vorerst letzten zusammenhängenden Landmasse auf Erden. Er soll einen Ort finden, an dem es sich zu leben lohnt. Zweiter Auftrag: Irgendwas stimmt mit der Zeit und ihrem Ablauf nicht. Fred kann vielleicht auch herausfinden, was das verursacht? Während der Reise zerbricht Pangäa immer weiter, schiebt sich anders wieder zusammen, nur um neu zu zerbröckeln. Anthropozän? Wofür halten wir uns?

Mark Kanak: Tollhaus / 54:00

In einer psychiatrischen Klinik, nachdem er eine Tat begangen hat, versucht der Patient, Niedermoor (gesprochen von Blixa Bargeld), sich daran zu erinnern, was der Grund für seine Einweisung war. Er liest die Hausordnung und führt dabei ein imaginäres Gespräch mit sich selbst, erinnert sich an Ereignisse des Vortages, an eine verlorene Liebe, an seinen früheren Arbeitsplatz (Recycler AG) und an seine Suche nach sich selbst.

Sarah Marie Meinert: Miss Kommunikation 2.0 / 35:53 *

Eine Erinnerung ausgestalten und die bessere Geschichte erfinden. Das ist doch mal Selbstkundgabe über Irrelevanz. Und die Sprache? Ist nicht echt. Ist verdichtet. Ist aufgeschrieben. Ist der Idiolekt eines Schauspielers in der Improvisation eines Charakters. Hab ich jetzt voll nicht naturalistisch skizziert (zum Beispiel). Echt ist nur: wir haben uns nicht verstanden. Du hast Alien gesprochen und ich hab Französisch gegoogelt. Oder so.