/ Rahmenprogramm

//// Live-Hörspiele

Do, 12. August, 19.30 Uhr

#drcprologe: Freiheit II

Lecture-Performance von Armin Chodzinki mit dem Max Clement Movement

Eine Lecture mit Musik und Krawatte. Armin Chodzinski alias Dr. C. doziert – mal mit gediegenem Charme, mal in wilder Ekstase – zu einem Urthema der Menschheit: Freiheit. Choreinlagen, Kontrabass, Schlagzeug und Flügel. Dr. Cs #drcprologe sind Vorreden, Prologe einer noch zu führenden Diskussion, und sie sind Fragen, die gestellt werden müssen: Freiheit? Ist das eigentlich noch mehr als rührseliger Stadionrock, bei dem Hände und Feuerzeuge in die Luft gestreckt werden? Freiheit kann gefährlich sein, unberechenbar, verunsichernd und furchteinflößend. Aber sie macht glücklich – gerade so wie Chodzinskis lebhafte Lecture – und glücklich wollen doch alle sein, oder?

Fr, 13. August, 19.30 Uhr

Lake Vostok

Mehrkanal-Klangperformance vom Liquid Penguin Ensemble

Lautsprecher, Kontrabass und Elektronik, dazu Stimme, Sinustongeneratoren, Kassettenrekorder und Tonbänder: Katharina Bihler und Stefan Scheib nehmen mittels eines kuriosen Fundes die Fährte chemoelektrischer Kommunikation unbekannter Zitterbakterien und Blinkergeißeltierchen auf: Sie spannen die Tonaufnahmen der Bioakustikerin J. A. Kulikowa aus, die in den 1960ern in geheimer Missionen entlegenste Orte belauschte, darunter die subantarktischen Seen und – den Lake Vostok, ein ewiger Eispanzer im Permafrost. Das Liquid Penguin Ensemble ,erzählt‘ auf Deutsch und Russisch von der Zeit und ihren Konservierungsformen und experimentiert an den Grenzen künstlerischer Genres. Derweil hört Frau Kulikowa einem Tropfstein beim Wachsen zu. Und im sibirischen Sommer taut langsam und bedächtig ein Mammut aus dem Permafrost: „Die Zeit schickt Post.“

Armin Chodzinski

Sa, 14. August, 19.30 Uhr

Die Phantome des Türquälers

Live-Hörspiel aus der Geräuschemacherei
von Christian Berner und Frank Schültge

Im Schreckenskabinett des kuriosen Dr. Metzenbaum lernt der erfolglose Singer-Songwriter Bernd Bonker die 50 Schattierungen des Grauens kennen. Festgeschnallt auf einem Tisch mangelt es ihm an der Einsicht, dass der Ausweg aus seiner hoffnungslosen Lage nur über die kranken Gehirne seiner beiden Autoren führen kann. In den Flammen des Chaos‘ wird überraschend der Nogger entfesselt, eine Kreatur, die Bernds Leben für immer verändern wird. Die beiden Macher, Christian Berner und Frank Schültge, entzünden auf der Bühne ein Feuerwerk der Geräuschemacherei und des Gitarreschrammelns. Penetranz, Redundanz und Firlefanz, also vor allem Dinge, die auf „anz“ enden, sind die Steckenpferde der beiden Akustik-Magier.


So, 15. August, 19.30 Uhr

Im Anfing fang der Deutschlandfung

von Carsten Schneider (mit Robert Schoen)

„Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt. Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.“ So ging es Rainer Rilke damals im Schloss Duino bei Triest und so geht es Carsten Schneider heut beim Hören des Deutschlandfunks. Seit Jahr und Tag zerschneidet er den Deutschlandfunk in fitzelkleine Teilchen. Diese werden sorgsam geordnet, kategorisiert, katalogisiert und ohne Punkt und Komma durchkomponiert. Die Arbeit an diesen Originaltonkompositionen dauert mitunter viele Jahre. Aber die Ergebnisse sind trotzdem schön.

Christian Berner & Frank Schültge Carsten Schneider

/ Audiowalk und Audio-Installation

Do – So, während der gesamten Festivalzeit

AliceD: Through the Looking Glass

Audiowalk von Bruno Pilz
für 2 Hörspieler, ca 30 min.
ortsunabhängig, mit Maske und Abstand

Nichts wie weg hier und hinein in das Wunderland, welches sich vor unseren Augen versteckt. Folge mir hinab in den Kaninchenbau und lass dich in neue Perspektiven und magische Verbindungen verführen, solange die königlichen Rerestriktionen es noch zulassen. Nicht, dass gleich wieder alles beim Alten ist und der Maskenball ohne eine einzige gemeinsame Distanz vorübergeht? Setz dir deine feinste Maske und Kopfhörer auf und lade jemanden zu diesem interaktiven Hörspiel ein, um euren Nichtgeburtstag in Verbundenheit zu feiern.

Fr – So, 16.30 + 20.30 Uhr

Der Absprung

20-Kanal-Audio-Installation von Paul Plamper
im Gräsergarten der ADK

Eine ostdeutsche Kleinstadt namens »Leerstadt«. Die Konfikte um die Zuwanderung eskalieren, als ein neu-rechter Demagoge zu einem Boykott gegen das städtische Theater aufruft, wo Theaterensemble eine umstrittene Aufführung mit einem Haupt- darsteller aus Kamerun probt. Die Stadt gerät in einen medialen Wirbel um Rassismus- vorwürfe und Ost-Vorurteile. Die Audioinstallation versetzt die Besucher mitten hinein in Zerrissenheit und Lagerbildung. In einem begehbaren Klangbild aus 20 Lautsprechern erlebt das Publikum ca. 50 Minuten lang ein vielstimmiges Panorama der aktuellen gesellschaftlichen Fliehkräfte. Gibt es daraus einen Absprung?

Sa, 14. August 17.30 Uhr Gespräch mit dem Autor Paul Plamper im Anschluss an die Vorführung. Für die Installation bitte an der Kasse oder unter Anke.Beims(ät)berliner-hoerspielfestival.de anmelden.

Bruno Pilz: AliceD_Through the Looking Glass Paul Plamper: Der Absprung, Installation in Altenburg. Bild: Johannes Scherzer.

/ Werkstattgespräche

Sa, 14. August, 14.00 Uhr

/ Werkstattgespräch I

Charlotte Drews-Bernstein und Ulrich Gerhardt

Hörspielautorin in Regisseurin Charlotte Drews-Bernstein befragt Hörspielregisseur Ulrich Gerhardt zu seiner mehr als 50-jährigen Hörspielpraxis und zur aktuellen Lage der freien Autoren. Beide Radio-Urgesteine war bei unterschiedlichen Sendern als Redakteure tätig, haben aber die weitaus längere Zeit aber als Freie gearbeitet. Ulrich Gerhardt wurde zu einem der gefragtesten Hörspielregisseure, Charlotte Drews-Bernstein bewies sich als Feature-Autorin. Beide erhielten verschiedene Preise. Ein einziges Mal auch gemeinsam. Ihre Hörspielproduktion von Jan Philipp Reemtsmas Buch „Im Keller“ wurde 1998 zum Hörspiel des Jahres gewählt. Ein Gespräch unter Macher*innen mit zahlreichen Hörbeispielen und Publikumsdiskussion.

So, 15. August, 14.00 Uhr

/ Werkstattgespräch II

Hermann Bohlen und Felix Kubin

Im diesem Werkstattgespräch geht es um das große Ganze als auch um das ganz Kleine, sag wir mal Redundanzen, die beim Improvisieren entstehen und sich im Hörspiel ablagern. Wegmachen oder als Natürlichkeits-Marker lassen? „O-Ton sucks“ (O-Ton Bohlen). Was heißt es, aus dem Klang heraus zu arbeiten? Kubin befragt Bohlen und Bohlen Kubin, die Hirsche röhren, Hühner gackern.Bisschen Optimierung muss auch sein: Felix Kubin macht Hermann Bohlen einen Vorschlag, wie er eine bestimmte Szene verbessern könnte. Und umgekehrt. Die beiden Hörspiel-Künstler versprechen ein Gespräch über die Entstehung ihrer Stücke: Große, erzählerische Bögen und kleine musikalische Gelenke? Warum nicht ausgreifende musikalische Bögen mit kleinen erzählerischen Scharnieren?

Ulrich GerhardtCharlotte Drews-Bernstein. Bild: Carina Häusler. Felix Kubin. Bild: Golo Föllmer.Hermann Bohlen. Bild: Inge Zimmermann.

/ Werkstattberichte

Fr, 13. August, 13.00 Uhr

/ Werkstattbericht I

Kinderklangwelten

Präsentation von Hörspielen aus Kinderworkshops mit Stella Luncke und Josef Maria Schäfers

Die Mantarochen, Leoparden und Wölfe haben wie wild aufgenommen, geschnitten und gebaut. Über 30 Grundschüler der Evangelischen Schule Berlin Mitte und der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule haben komplett moderierte Radiosendungen mit Kurzhörspielen, Umfragen, Reportagen, Interviews, Studiogästen, selbstgemachter Musik, Werbung und Jingles selbst konzipiert und umgesetzt. In viertägigen Festival-Workshops mit Stella Luncke und Josef Maria Schäfers sind die Sendungen „Manta FM“, „Kids FM“ und „Fürst Funk“ entstanden. Die Viert- bis Sechstklässler stellen ihre Hörwerke vor.

So, 15. August, 15.30 Uhr

/ Werkstattbericht II

Wir ihr du ich und DIE DA

Podiumsgespräch der Hans-Flesch-Gesellschaft Forum für akustische Kunst

Die Hans-Flesch-Gesellschaft für akustische Kunst (HFG) – eine Denk- und Aktionsgemeinschaft aus schöpferischen Individuen der Gewerke Regie, Text, Komposition und Schauspiel – gibt hier Einblick in die Arbeit und Dynamik ihres Austauschs. Worüber denken wir nach, wie inspirieren wir uns gegenseitig, welche Funken schlägt das Kollektiv in der heutigen Hörspiel- und Featureszene. Solidarität rules! Werner Cee und Wolfgang van Ackeren stellen Ihre großformatige Open-Air-Klanginstallation „de-symphonic“ aus dem Beethoven-Jahr 2020 vor. Barbara Kenneweg und Corinna Volkmann sprechen über ihren VomHörenSagen-Salon für Akustisches Kunstsprechen. Außerdem berichtet die HFG von ihren berufspolitischen Aktivitäten, wie dem Offenen Brief von mehr als 300 Autor:innen an die ARD.

Kinderklangwelten Hein_Hilpert_unbekannt_Hans Flesch_ Foto: Deutsches Rundfunkarchiv

/ Sprache und Geräusch

Do – So während der gesamten Festivalzeit

/ Hörspielbox

Tiktok-Challenge

In unserem Mini-Studio kann Jedermann sein eigenes kleines Hörspiel aufnehmen. Wir stellen die Technik bereit und schnippeln Eure Aufnahmen mit denen Anderer zu Miniaturhörspielen zusammen, die wir guerillamäßig in unser Programm einstreuen – also aufgehorcht: Vielleicht begegnet einem die eigene Stimme aus einem Lautsprecher.

Do, 16.30 – 21.00 Uhr, Fr – So, 14.00 – 21.00 Uhr

/ Kinderbetreuung

Geräusch-Werkstatt

Instrumente bauen, Geräusche raten, in der Hörecke krümeln – all das gibt es in der klangkreativen Kinderbetreuung mit den beiden gelernten Erziehern Henrike Goldmann und Jaron Lehnig. Für audiophile Mamas und Papas von Kinder von 4 bis 10 Jahren, die ungestört dem Festival lauschen wollen – und im Anschluss in einer kleinen Galerie die zwischenzeitlichen Werke Ihrer Sprösslinge bewundern können.