Das lange brennende Mikro ist die Kategorie der Hörspiele mit einer Länge von 20 bis 60 Minuten. Der Gewinner wird von einer Fachjury gekürt. Hörspiele mit sind Debütwerke und konkurrieren zusätzlich um den spartenübergreifenden Förderpreis „Das zündende Mikro“.

Selbstbeschreibungen der Künstlerinnen und Künstler ihrer Werke

Elena Ubrig: Die Abteilung für elektrische Ohren / 23:15

Ich reise in die Stadt der Organe, um mein linkes taubes Ohr gegen ein elektrisches Ohr einzutauschen. Hörtests und Untersuchungen mit spitzen Lupen werden vorgenommen. Eine tiefe Stimme wirft zusammenhangslose Einsilber in den luftleeren Raum und dumpfe Stille hämmert aufs Trommelfell. In den Zwischenräumen erklingt die Stimme eines Mannes, der vom Leben mit der Schwerhörigkeit erzählt und über die Welt zwischen Hören und Hörverlust nachdenkt.

Das Stück entstand im Rahmen des Seminars „Hörspiellabor“ an der Kunsthochschule für Medien Köln und wurde zusammen mit den anderen Stücken aus dem Seminar beim Kölner Kongress 2026 im Deutschlandfunk ausgestellt (kein redaktioneller Einfluss des Dlf). Recherche: pers. Auseinandersetzung mit der Frage, ob ich mir ein CI an meinem linken tauben Ohr einsetzen lassen soll + Gespräche mit Mitgliedern der Selbsthilfegruppe CI-Schlappohren Köln

Forschungsgruppe Detektor: Die Entsiegelung einer Ecke / 40:01

Erika sucht eines Abends einen Parkplatz für einen großen Umzugstransporter. Dabei verwandelt sich ihre vertraute Umgebung: Unheimliche Anzugträger gentrifizieren ihre Straße, Nachbarschaften werden zu besitzergreifenden Albträumen, die Autobahn zu einem rauschhaften Freiraum. Halt findet Erika nur im sprechenden Pferd Francis, das von einem mythologisch anmutenden Parkhaus erzählt, in dem es Platz für alle Parkplatzlosen geben soll.

Das Hörspielkollektiv DETEKTOR entwickelt Live-Hörspiel-Performances, in denen im Setting eines fiktiven Forschungsversuchs die verborgenen Geschichten alltäglicher Objekte hörbar werden. Im Zentrum der Performance stehen original geschriebene Hörstücke. Das hier eingereichte Stück ist Zentrum der am 05.09.2025 uraufgeführten Detektor Performance „die Entsiegelung einer Ecke“. Gefördert durch die Hamburgische Kulturstiftung und die Behörde für Kultur und Medien

Mariola Brillowska: Frau in Blau sucht n Mann / 55:49

Eine Handwerkerin am Rande des Wahnsinns zwischen Chaos, Kitsch und Weltrettung. Eine Reise durch skurrile Reparaturen, technische Wunderwerke und die Suche nach dem richtigen Mann. Wenn das markante Blau der Arbeitskleidung im Türrahmen erscheint, zieht bei den Kunden Erleichterung ein oder das pure Chaos. Die Frau in Blau ist mehr als eine Handwerkerin. Sie ist eine Problemlöserin, die Technik, Absurdität und Seelsorge vereint. Ihr Tag ist ein Mosaik aus Schicksalen.

Das Hörspiel ist eine nie gesendete Autorenproduktion entstanden. Einzelne Parts innerhalb des Hörspiels wurden als „Echtzeit Serie“ gesendet.

Anderer Kunstverein e.V.: Mamluk Versuch #3 / 47:53 

In einem Café der Gegenwart sitzen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen und erinnern sich. Ein Geschichtenerzähler beginnt die alte arabische Erzählung vom Mamluken Jaber: Um eine belagerte Stadt zu retten, lässt der junge Sklave sich einen geheimen Brief auf den rasierten Hinterkopf tätowieren, versteckt sich monatelang im Dunkeln, bis die Haare nachgewachsen sind, und riskiert dann sein Leben, um die Botschaft hinauszutragen.

(C) F. Klüsener
Dimitri Kousis, Boris Ghanem: Pangée / 60:00 

Pangée explores the fractured geographies of the Eastern Mediterranean in the aftermath of imperial collapse. Drawing on family history and archival research, the project traces the memory of displacement following the fall of the Ottoman Empire and the population exchanges between Greece and Anatolia. At the heart of the project is a travel notebook, the narrative structure through which exile, transmission, and identity take shape across generations.

This project is an 18-episode audio fiction series, conceived as an immersive sonic narrative blending historical depth with literary storytelling. Each episode unfolds a fragment of a larger story shaped by memory, exile, and identity. The full transcription has been carefully produced in English, ensuring accessibility and fidelity to the original tone and narrative structure.

Giacomo Bagni, Veronica Lugaro: Parallele / 28:44

Produced independently over six months, Parallele was built through street recordings, informal conversations, and spontaneous “radio tables” set up in the neighborhood. Rather than relying on institutional voices or explanatory frameworks, the work grew out of fragments, misunderstandings, refusals, and moments of unexpected recognition.

Produced independently over six months, Parallele was built through street recordings, informal conversations, and spontaneous “radio tables” set up in the neighborhood. Rather than relying on institutional voices or explanatory frameworks, the work grew out of fragments, misunderstandings, refusals, and moments of unexpected recognition.

Mirjam Zeise: Sie ist eine Rose im Tal / 25:35

„Sie ist eine Rose im Tal“ ist eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit den Bibelversen des Hohelied Salomos. Es behandelt wiederkehrende und zeitlose Themen wie Liebe, Sinnlichkeit, Dialog und ein Großwerden. Zwei Personen sind im Austausch über ihre romantische Beziehung. Mittels Rückblenden und Momentaufnahme werden Erwartungen, Ängste und die eigene Vergangenheit reflektiert. Wann habe ich zum ersten Mal Eifersucht gespürt? Muss ich alles teilen? Und: reiche ich aus?

Das Hörspiel ist eine studentische Produktion, ausgehend von einer Hochschulexkursion in diverse Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern. Das Manuskript wurde in enger Zusammenarbeit mit Lara Rüter entwickelt. Als Studentin der Burg Giebichenstein nutzte ich das Tonstudio der Hochschule. Die Sprecher:innen fanden durch einen Open Call zusammen oder sind Freund:innen und Kommiliton:innen. Ich übernahm den Schnitt und die Postproduktion erfolgte durch Konrad Ruda.

Jess Hamilton, Freya Mulvey: SOIL Rewilding the Underground / 44:33

SOIL: Rewilding the Underground is a narrative audio documentary that gives a voice to the hidden life beneath our feet. It follows First Nations custodians, farmers, scientists and communities as they connect with the underground to turn degraded dirt back into living soils, in order to safeguard our climate, health, food security and biodiversity. In Part 1: The Story of Soil, we follow human histories alongside organisms below ground as they interact to build the foundations for life.

The concept emerged from Freya Mulvey’s research into best practice legislation for protecting soils, which highlighted a critical gap in public understanding of soil as a living ecosystem. It has been released as a free, globally accessible storytelling tool to connect people to this vital movement.

Jörg Piringer: verbrenner / 51:25

verbrenner mäandert als Redestrom durch die Wortfelder von Feuer, Zerstörung und Asche, aber auch von Löschen und Ertrinken. Analog zu den sich ausbreitenden Bränden folgt die Sprachbewegung rhetorischen Gesten der Steigerung und Vermehrung und akzentuiert so die ökonomische oder sozialpsychologische Dimension des Begriffs „Verbrennen“. In der Verbindung mit dokumentarischen Quellen verdichten sich die ausgebreiteten Katastrophenerzählungen zu einem hyperreal-dystopischen Komplex.

Der Ausgangspunkt für das Stück ist stets die Stimme oder die Sprache, nur sporadisch unterstützt vom minimalistischen Einsatz synthetischer Sounds. Neben meiner eigenen Stimme kommen eine Reihe von KI-Stimmen zum Einsatz, die mittels Data-Bending Lautpoesie, Stimmchaos und Noise generieren und durch ihren ideosynkratischen Maschinenwahnsinn groteske Momente hinzufügen.

Jörg Piringer (Foto: eSeL)
Kamala Dubrovnik, Max Hurlebaus: Weltraumradio Satinfunk / 38:16

“Weltraumradio Satinfunk” ist ein immersives Audioformat zwischen Musik, Hörspiel und experimenteller Klangkunst. Spoken Word und Neo Soul verbinden sich mit persönlichen Texten und surreal-humorvollen Elementen. Im Zentrum stehen feministische, empowernde Inhalte. Ein fiktives Radio führt durch wechselnde Klangräume, strukturiert das Format und erzeugt vielfältige, teils absurde, teils poetische Hörsituationen.

Die Produktion entwickelte sich aus einer improvisatorischen Arbeitsweise, die sich mit dem Radio als Anker beschäftigt. Radiotypische Formen sowie journalistische Sprachmuster wurden zunächst spielerisch erprobt und satirisch behandelt. Kamala schrieb die Songtexte als feministische Spokenword Performance, Max komponierte dazu die Stücke. Die szenischen Teile wurden gemeinsam entwickelt und mit absurden und immersiven Interventionen ergänzt.