Das 17. Berliner Hörspielfestival ist vorüber. Vier Tage voller spannender Diskussionen, anspruchsvollen Wettbewerben, tollen Live-Acts und einer herzlichen, familiären Atmosphäre. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und Besuchern für diese schöne Zeit. Für die Ewigkeit der Hörspiel-Annalen verkünden wir voller Stolz die Siegerinnen und Sieger unserer Wettbewerbe:

Kategorie: Das lange brennende Mikro (Hörstücke zwischen 20 und 60 Minuten / Jurypreis)

Aus den fast 60 Stücken dieses Wettbewerbes wurden von einer Vorjury 10 Stücke ausgewählt und der Fachjury übergeben. Diese einigte sich auf das folgende Stück. Die Laudatio dazu könnt ihr hier nachlesen. Alle anderen 9 Hörspiele sind über unserern YouTube-Kanal in einer eigenen Playlist nachhörbar.

1. Platz

Anderer Kunstverein e.V.: Mamluk Versuch #3 / 47:53

In einem Café der Gegenwart sitzen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen und erinnern sich. Ein Geschichtenerzähler beginnt die alte arabische Erzählung vom Mamluken Jaber: Um eine belagerte Stadt zu retten, lässt der junge Sklave sich einen geheimen Brief auf den rasierten Hinterkopf tätowieren, versteckt sich monatelang im Dunkeln, bis die Haare nachgewachsen sind, und riskiert dann sein Leben, um die Botschaft hinauszutragen.

lobenswerte Erwähnung

Mirjam Zeise: Sie ist eine Rose im Tal / 25:35 ★

Sie ist eine Rose im Tal“ ist eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit den Bibelversen des Hohelied Salomos. Es behandelt wiederkehrende und zeitlose Themen wie Liebe, Sinnlichkeit, Dialog und ein Großwerden. Zwei Personen sind im Austausch über ihre romantische Beziehung. Mittels Rückblenden und Momentaufnahme werden Erwartungen, Ängste und die eigene Vergangenheit reflektiert. Wann habe ich zum ersten Mal Eifersucht gespürt? Muss ich alles teilen? Und: reiche ich aus?

Das Hörspiel ist eine studentische Produktion, ausgehend von einer Hochschulexkursion in diverse Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern. Das Manuskript wurde in enger Zusammenarbeit mit Lara Rüter entwickelt. Als Studentin der Burg Giebichenstein nutzte ich das Tonstudio der Hochschule. Die Sprecher:innen fanden durch einen Open Call zusammen oder sind Freund:innen und Kommiliton:innen. Ich übernahm den Schnitt und die Postproduktion erfolgte durch Konrad Ruda.


Kategorie: Das kurze brennende Mikro (Hörstücke zwischen 5 und 20 Minuten / Publikumspreis)

Die Stücke im Ganzen und alle weiteren Wettbewerbsstücke sind nachhörbar im Stream, 19. September 2026.

1. Platz

Jürg Andreas Meister: Milchhunde / 13:12

Gefangen in einem Netz aus Bildern erreicht das Hörspiel-ich eine erpresserische Mail. Angeblich wurde es beim Pornoschauen gefilmt. Das Nachdenken über Liebe löst andere Erinnerungen: Da war einmal diese kleine Rosine namens Nasha, die nie auf die Welt kam. Weil die Protagonist:in es so wollte. Unter der Scham der Erinnerung sucht sie nach dem Kontakt zu sich selbst und der Lösung in den Widersprüchen der Liebe. Wie schön wäre es, wenn auch die sich mit ein paar Bitcoins kaufen ließe!

Die Erpressungsmail habe ich wirklich bekommen und nach dem anfänglichen Schreck auch etwas poetisches in ihr gespürt. Leider hat oqyxali@mailforspam.com nie auf meine Antwort reagiert. Schnell war der Bezug zu Barock da, zu Purcells „One charming Night“ und zur Frage nach Liebe durch die verschiedenen Jahrhunderte: ‚Wie leben wir zusammen? Wie kommen wir abends nach Hause zu einer geliebten Person, wie fühlt sich das an?‘

2. Platz

Stephan Dorn: Mus musculus volans / 09:03

Das erste Lebewesen, das eine Reise ins Weltall überlebte, war eine Hausmaus (lat. Mus Musculus) namens Laska. Ihr Flug im Jahr 1958 wird zum medialen Ereignis und markiert einen Wendepunkt der frühen Raumfahrt.

3. Platz

Gerald Pirner: El Guernica – Ein Hörbild / 15:01

Ein riesiges Ölgemälde über Krieg und Faschismus und den Kampf dagegen, gesehen von einem Blinden, der es aus den Stimmen des Bildes heraushört. Der blinde Autor Gerald Pirner, lässt sich das Bild bei der Weltausstellung 1937 beschreiben. Im Rahmen eines Workshops zu „Kunsthörstücke“ der Werkstatt für interkulturelle Medienarbeit WIM (www.wim-berlin.de) und des Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) (www.dbsv.org) erarbeitet Gerald Pirner ein Hörstück bzw. ein Hörbild zu „Guernica“ von Pablo Picasso. Er realisiert es u. a. zusammen mit vier blinden Sprecher*innen.


Kategorie: Das glühende Knopfmikro (Hörstücke zwischen einer und 5 Minuten / Publikumspreis)

Die Stücke im Ganzen und alle weiteren Wettbewerbsstücke sind nachhörbar im Stream vom Freitag, 18. September 2026!

1. Platz

Ingrid Adler, Marie Nest: FemFrequency – Ein Lebenskaleidoskop / 04:57 ★

Während einer vermeintlichen Meditation tauchen allerhand Erinnerungen, hängengebliebene Sinneseindrücke und Erfahrungen einer weiblich gelesenen Person auf. Die Außenwelt holt ihre Innenwelt ein. Ihr Unterbewusstsein kann sie schlussendlich auch nicht vor dem Ende retten.

Anlässlich eines Wettbewerbs haben wir uns mit dem Satz „Schließ die Augen“ auseinandergesetzt.
Wo sind wir, wenn wir unsere Augen schließen? Bei einer Meditation? Bei unseren eigenen Erinnerungen? An einem ganz anderen Ort?
Welche Gedankenfetzen und Momente schaffen es, sich in unseren Erinnerungen zu verankern? Welche Worte von anderen Menschen prägen uns, die vielleicht oft so harmlos wirken? Führt uns der Anfang zum Ende oder das Ende zum Anfang?

2. Platz

Jörn Kucharzeck, Sofia Telizki: Wir haben euch gewarnt / 02:25 ★

Die Ankündigungen der Triggerwarnungen vor einem Hörspiel laufen aus dem Ruder. Wir sind gerne etwas extra und als dann im Rahmen des Hörspielworkshops der Opernwerkstatt am Rhein die Idee für ein Triggerwarnunghörspiel angesprochen wurde, haben wir uns gesagt: Ja, das ist es! Wir überlegten uns, was Triggerpunkte für die Zuhörenden sein könnten, die aber total abstrakt sind, angelehnt an den Sozialmediatrend der „Ick-Liste“. Auch wollten wir eine Beziehung zwischen den beiden Sprechenden einbauen.

3. Platz

Adi Traar: RELAXXX / 05:00

Wollen wir wirklich die längste Zeit des Tages damit verbringen, unseren neuen Lebensbegleitern daumenmäßig die Visage zu polieren? Können wir die Kinder wirklich nicht früh genug damit beginnen lassen? Das Handy, der Nuckel von heute? Das neue Spieglein, Spieglein an der Hand mit Antireflex? Fenster zur Welt, und dann doch nur zum Hof? Brauchen wir das wirklich? Wir finden: Nein!

Die Arbeit an einem Hörstück kommt für mich der Idee eines Gesamtkunstwerkes am Nächsten. Meine Kinder wurden von Anfang an in die Hörstücke eingebunden, mit den Jahren immer mehr.


Kategorie: Der MikroFlitzer (Hörstücke von maximal 60 Sekunden Länge / Publikumspreis)

Es ist die Kategorie der Hörspiele, die maximal 60 Sekunden lang sind, unter Zeitdruck (14 Tage) produziert wurden und zwei Vorgaben erfüllen: einen Satz und ein Geräusch! Dieses Jahr waren es der Satz „Ich kann das alles nicht mehr hören!“ und das Geräusch „überschießender Hoffnung„. Die Stücke und alle weiteren Wettbewerbsstücke sind nachhörbar im Stream vom Sonntag, 20. September 2026.

1. Platz

Peter Vittoria: Leon geht es gut / 01:00

Kinder ab der Generation Alpha wachsen mit dem Internet auf, soziale Medien begleiten sie rund um die Uhr. Doch wie viel Konsum ist noch vertretbar – und ab wann ist ein Kind übersteuert?

Als Betreuer an einer Schule, an der während des Unterrichts Handyverbot herrscht, erlebt man dennoch, wie omnipräsent das Internet und die sozialen Medien sind – im Guten wie im Schlechten.

2. Platz

Nic Romm: Wer lässt den Sack platzen? / 01:00

Eine Spielshow. Ein Sack voller Hoffnung. Und drei junge talentierte Kandidatinnen.

Wie immer – ganz kurzfristig und auf die letzte Minute zusammengebastelt für den Mikroflitzer.

3. Platz

Timo Sieke: Kraft Spray / 01:00

So hört es sich an, wenn eine demokratiefeindliche Ideologie gegen die Wand fährt. Respekt gegenüber Mensch und Natur, und der Schutz von Vielfalt, Freiheit, Minderheiten und Demokratie sind mir wichtig. Deshalb musste ich dieses Hörspiel produzieren, auch wenn es schwer fiel, die provozierende und beleidigende Sprache aufzunehmen und zu bearbeiten.


Kategorie: Das zündende Mikro (Nachwuchs- bzw. Förderpreis der Berliner Hörspielfestival e.V.)

Als Gewinner können sie nun im Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste ein neues Stück produzieren, das beim nächsten Festival uraufgeführt wird.

1. Platz

Kamala Dubrovnik, Max Hurlebaus: Weltraumradio Satinfunk / 38:16 ★

“Weltraumradio Satinfunk” ist ein immersives Audioformat zwischen Musik, Hörspiel und experimenteller Klangkunst. Spoken Word und Neo Soul verbinden sich mit persönlichen Texten und surreal-humorvollen Elementen. Im Zentrum stehen feministische, empowernde Inhalte. Ein fiktives Radio führt durch wechselnde Klangräume, strukturiert das Format und erzeugt vielfältige, teils absurde, teils poetische Hörsituationen.

Die Produktion entwickelte sich aus einer improvisatorischen Arbeitsweise, die sich mit dem Radio als Anker beschäftigt. Radiotypische Formen sowie journalistische Sprachmuster wurden zunächst spielerisch erprobt und satirisch behandelt. Kamala schrieb die Songtexte als feministische Spokenword Performance, Max komponierte dazu die Stücke. Die szenischen Teile wurden gemeinsam entwickelt und mit absurden und immersiven Interventionen ergänzt.