/Donnerstag, 21. Mai 2020

Britta Steffenhagen. Bild: Sinissey. Moderation: Britta Steffenhagen

19.00 /// Eröffnung
mit Thomas Heise (ADK) und Vertretern des BHF e.V.

19.15 /// Das lange brennende Mikro 1

Hörstücke von 20 bis 60 Minuten

Mariola Brillowska: Contemporary Art/ 43:39

„Kunst ist hochnäsig. Hält sich für wichtig. Picasso ist eine Witzfigur. Nachträglich. Auch die meisten der berühmten Künstler. Und moderne Künstler sowieso. Was heißt denn modern? Wer ist das denn? Moderne Kunst wird gerne aufwertend ‚Contemporary Art‘ genannt. Gegenwärtige Kunst. Zeitgenossische Kunst. Heißt es. Ist das Kunst oder kann das weg? Es gibt nichts Überflüssigeres als Nachrichten, Schnee, Liebe von gestern. Ist Kunst immer gegenwärtig? Ist sie morgen immer noch aktuell? Nein! Kunst, moderne wie alte, braucht immer Kontext. – Oh je, ich dachte, es geht um Contemporary Kunst. – Ja. Aber es geht auch um Kunst, Kunsttext, Kontext, Diskurs. – Oh, jetzt auch um Diskurs. – Egal. Frau. Mann. Kind. Kunst. Contemporary Art. Picasso. Gertrude Stein. Martin Kippenberger. Meret Oppenheim. Marcel Duchamp. Max Ernst. Man Ray. Parade der Meister. Parodie der Arte.“

20.15 / Der MikroFlitzer

der Wettbewerb für in 14 Tagen quick’n’dirty produzierte Hörstücke, die maximal 60 Sekunden lang sind den Satz „Erst mal nur alles.“ und das Geräusch einer taumelnden Weltkugel enthalten.

1 Steffen Siegmund: Präzession / 0:56

„Die Tochter erklärt ihrem Vater, warum die Weltkugel taumelt. Der vertont das mittels Gamak-Gesangs.“

2 Groupe Nous: terrae motus / 0:49

„Eine Perspektivenverschiebung.“

3 Alexander Wagner & Matthias Gründig:
Parzelle / 1:00

„Schimmelpfennig, der Verwalter einer Kleingartenanlage, hinterlässt die erfreuliche Nachricht auf dem Anrufbeantworter eines Interessenten, dass Parzelle 52B im Kleingartenverein Sonnborn Süd neuerdings zu haben wäre. Leider gehört zu dem ersehnten Garten ein kleiner Schlag Brieftauben.“

4 Dagmar Hertle: Zoom / 0:59

„Corona: Besondere Zeiten erfordern virtuelle Treffen – auch für Hörspielproduktionen. Aber die Aufnahme hat ihre Tücken: Missverständnisse, Störgeräusche, spielende Kinder. Ablenkungen aller Art greifen um sich…“

5 Susanne Franzmeyer: Allet pandemiern / 0:59

„Der HERR will ein vollständiges Reset veranlassen. Seine Sekretärin nimmt es mit seinen Anweisungen aber nicht so genau.“

6 Claudia Falk: Alles nur Apokalypse? / 0:59

„Die Weltkugel klopft bei der Erdenbewacherin an und spricht mit ihr über den Zustand der Welt. Die Coronakrise ist schon schlimm, aber es kommt noch dicker…“

7 PEV (Peter Enrico Vittoria):Covid-23 / 1:00

„In einer nicht allzu fernen Zukunft sinnieren eine Tochter und ihr Vater während einer Pandemie-Quarantäne über ihre Vergangenheit und die Zukunft. Anhand einer taumelnden Weltkugel, dargestellt durch eine sich in einem Tontopf drehenden Steinkugel, veranschaulicht der Vater die Zerbrechlichkeit aber auch die Hoffnung des Lebens.“

8 Joe Carrera: Gesundheit / 0:59

„Bei einer einseitigen, dafür aber mehrstimmigen Unterhaltung mit mir selbst und der ‚vertorkelten Welt‘ kam es zum Eklat.“

9 Gerhard Lassen: Alles im Fluss / 0:59

„Ein Versuch, zwei Gedichte zum Geräusch der taumelnden Weltkugel einzusprechen.“

10 Rainer H. Kremser: Und was darf es dann sein? / 0:58

„Ein Wesen dringt lautstark polternd in ein bizarres Kontor ein. Nach seinem Begehr befragt, fordert es selbstverständlich „Erst mal nur alles“. Das Verpacken des Erworbenen wird jäh unterbrochen.“

11 Dagmer Cassens: Laura Linney is Perfect / 0:58

„An interview between the global WHISPERER and the celebrity LAURA LINNEY. The WHISPERER realizes he is talking to the perfect human being. Laura Linney. Turns out, she thinks… she’s Gary Cooper.“

12 Chrizzi Heinen: Die Eisdiele vorm Hochhaus an der Autobahn / 1:00

„Eine Frau kauft sich 39 Kugeln Eis an der berühmten Eisdiele vorm Hochhaus an der Autobahn. Eigentlich möchte sie im Anschluss einen Spaziergang im Park auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn machen. Doch mit dem aufgetürmten Eis im Hörnchen schafft sie es nicht durch die Unterführung.“

13 Wolfgang van Ackeren: Der achte Ton / 0:59

„‚Der achte Ton‘, so heißt in den Kirchentonarten der hypomixolydische Modus. Sein Schlusston ist das ‚G‘. Dessen 24. Oktavierung entspricht der Periodendauer der Erdrotation. Über und unter den Rotationsklängen im Grundton liegt die chinesische Xiao (Längsflöte), ebenfalls in G gestimmt, ein buddhistisches OM und dazu die Stimmen die die Ellipse sprechen, in deutsch, japanisch, englisch, türkisch und finnisch. Ergänzt ums ‚erkennen‘. Und dann?“

14 Kurkurator: Wie das I das U / 0:59

„Ein Dialog über die Liebe. Traurigeres gibt es nicht als ein taumelndes Medley, gespielt von der Blaskapelle an der Strecke eines verregneten Stadtmarathons. Die Welt selbst bleibt stehen, Sieger werden nebensächlich wie der Sieg. Dennoch dennoch gilt es ihn, sie, alle zu befragen, es ist „erst mal nur alles“ ihre Welt, und alle Trauer unter 1 zu drücken, am Rande der Ratation.“

15 Claudia Weber Brems-Etüde / 1:00

„Vier Zugwaggons stehen seit 189 Minuten in der Landschaft. Alles Pendler, die darin sitzen. Und ein Zugführer, der Virtuose im unbemerkten Bremsen ist…“

16 Achim Zepezauer: Lethes Welle / 0:59

„Ein Chaos bricht aus, aus dem eine gottähnliche Stimme jemanden weckt, um ihm mitzuteilen, er solle besser alles vergessen.“

anschließend Online-Voting
21.15 /// Das lange brennende Mikro 2

Yolanda Rüchel & Tobias Ludwig:
Grenzwertige Gegenwart / 47:26

„Es beginnt bei den eigenen Grenzen, die wir oft übergehen – bis wir nicht mehr können und erschöpft nach Kraft suchen. Es geht weiter mit den Grenzen, die wir Anderen ziehen, weil wir nicht hinterfragen, und es erreicht schließlich Grenzlager, Fluchterfahrungen, Diskriminierung und Abschiebungen aufgrund von Grenzen, die Besitz voneinander trennen. Wer zieht diese Grenzen? Was haben Grenzen mit Macht zu tun? Können Menschen ohne Fluchterfahrung über Grenzen urteilen?“

Kondensatoren MF 22.15 /// Preisverleihung
/ Der MikroFlitzer

Der Publikumspreis ist dotiert mit einem binauralem Elektret-Kondensatormikrophon OKM I solo von Soundman.

Erstmalig sind in diesem Jahr die Preise mit Trophäen verbunden, die aus radiophonen Sammlerstücken des Senders Königs Wusterhausen stammen – der Wiege des Rundfunks in Deutschland. Hier drei kleine Original-Kondensatoren aus der Sendetechnik des legendären „Funkerberg“.

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22.30 \ Nachwuchs-Werkstatt

Hörstücke eines BHF-Workshops mit Schülern des Ev. Johanniter-Gymnasiums, Wriezen

Mike Schubert, Nepomuk Linsenbarth, Felix Reichmayr & Moritz Krebs:
Besuch auf dem Dorf
/ 03:05

​​ Fußnote: Die Texte zu den Stücken sind Selbstbeschreibungen der Macherinnen und Macher.