Das 6. BHF: Der dritte Tag /// Langes brennendes Mikro und /// Glühendes Knopfmikro 1

Britta Steffenhagen, Bild: Tito Loria.

Brit­ta Stef­fen­ha­gen, Bild: Tito Loria.

Mit zwei Lang­hör­spie­len und 10 Kurz­hör­spie­len (bis 5 Minu­ten Län­ge) ging am Sonn­tag das 6. Ber­li­ner Hör­spiel­fes­ti­val zu Ende. Wir bedan­ken uns bei allen Hör­spiel­ma­chern und -mache­rin­nen und bei unse­rem Publi­kum, das drei Tage lang den Thea­ter­dis­coun­ter prall gefüllt hat. Das war super und hat uns allen viel Spaß gemacht. Brit­ta Stef­fen­ha­gen führ­te durch den Abend, an dem der Publi­kums­preis für Kurz­hör­spie­le bis 5 Minu­ten und der Jury­preis ver­ge­ben wur­de.

 

Christian Berner, Frank Schültge, Britta Steffenhagen, Bild: Tito Loria.

Chris­ti­an Ber­ner und Frank Schült­ge mit Mode­ra­to­rin Brit­ta Stef­fen­ha­gen, Bild: Tito Loria.

 

Wie eine Flip­per­ku­gel wird der Hörer durch das Hör­spiel Paul Brow­ski und die Mono­to­nie des Yeh Yeh Yeh von Chris­ti­an Ber­ner und Frank Schült­ge geschos­sen, wäh­rend der Neu­köll­ner Pri­vat­de­tek­tiv Paul Brow­ski durch Raum und Zeit tau­melt.

Paul Browski_Teaser

 

 

 

Christina Baron, Britta Steffenhagen, Bild: Tito Loria.

Chris­ti­na Baron, Brit­ta Stef­fen­ha­gen, Bild: Tito Loria.

Einen ganz ande­ren Flow hat­te Nord­lich­ter – Ein Hör­spiel in Mono(tonie)von Chris­ti­na Baron. In einer Welt von der die Men­schen plötz­lich alle ver­schwun­den sind, sen­det sie in den lee­ren Äther. So wie schon anno 1938 in Orson Wel­les Hör­spiel „The War of the Worlds“ ein Über­le­ben­der der Inva­si­on der Mar­sia­ner frag­te: „Isn’t the­re anyo­ne on the air?“

Nordlichter_Teaser

 

 

///Das glühende Knopfmikro

Mit 64 Punk­ten ging der der Publi­kums­preis /// Das glü­hen­de Knopf­mi­kro für Hör­stück bis 5 Minu­ten Län­ge an Ulri­ke Klaus­mann für mai­ma­in­und­waig: „ver­lo­ren sein im trau­ten unheim­li­chen heim ver­lo­re­ne hei­mat im mond­schein“. (Hier die Nomi­nier­ten)

Mai­ma­in­und­waig

Ulrike Klausmann, Bild: Tito Loria.

Ulri­ke Klaus­mann, Bild: Tito Loria.

 

Britta Steffenhagen, Maria Stock. Bild: Tito Loria.

Brit­ta Stef­fen­ha­gen, Maria Stock, Regis­seu­rin von Hin­fal­len und Auf­ste­hen“. Bild: Tito Loria.

Mit 46 Punk­ten lan­de­te Caro­li­ne Burg­walds Stück Hin­fal­len und Auf­ste­hen auf Platz Zwei und Peter Koma­row­skis Hör­trash Kaputt. Lus­tig. mit 41 Punk­ten auf Platz Drei.

 

 

 

 

 

Marilyn Janssen, Britta Steffenhagen, Bild: Tito Loria.

Mari­lyn Jans­sen, Brit­ta Stef­fen­ha­gen, Bild: Tito Loria.

Brit­ta Stef­fen­ha­gen im Gespräch mit Mari­lyn Jans­sen über die lan­ge Ent­ste­hungs­ge­schich­te ihres Hör­spiel som­mer­gras (1995–2014).

 

 

 

 

 

 

///Das lange brennende Mikro

Der Jury­preis des 6. Ber­li­ner Hör­spiel­fes­ti­val ging an La Vie en rose Vom Leben und Über­le­ben in Paris von Tom Heit­hoff. Damit war Heit­hoff schon zum zwei­ten Mal erfolg­reich. Mit sei­nem Hör­spiel Hun­de­le­bens­be­ra­tung hat­te er schon das 2. Ber­li­ner Hör­spiel­fes­ti­val 2009 gewon­nen.

La vie en rose_Teaser

Tom Heithoff, Bild: Tito Loria.

Tom Heit­hoff, Bild: Tito Loria.

 

Die Begründung der Jury:

Die Übel“, steht als Mot­to über Tom Heit­hoffs Web­site: „die Übel blei­ben doch immer unter ihren Mög­lich­kei­ten.“ Ein Mot­to, das auch die Exis­tenz der Figur beschreibt, die in sei­nem 8-tei­li­gen Hör­spiel „La vie en rose – Vom Leben und Über­le­ben in Paris“ por­trä­tiert wird. Aber por­trä­tiert wäre schon das fal­sche Wort, denn der Spre­cher, dem wir 40 Minu­ten lang zuhö­ren, ist weder der Gegen­stand die­ses Hör­spiels, noch ist er eine Erfin­dung des Autors. Er ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes sein Prot­ago­nist. Denn Lorenz Eber­le, so heißt die namen­lo­se Haupt­fi­gur, gibt es wirk­lich und es ist nicht das ers­te Mal, dass er in einem Hör­spiel von Tom Heit­hoff auf­taucht. Dadurch dass er hier aber selbst in sei­ne eige­ne Rol­le schlüpft, ver­schwim­men die Gren­zen zwi­schen Rea­li­tät und Fik­ti­on.

Wir hören einer Per­son zu, die den Kopf in den Wol­ken hat, und ihn sich doch per­ma­nent an der zu nied­ri­gen Decke sei­nes win­zi­gen Appar­te­ments stößt. Einer dem min­des­tens ein­mal im Jahr das Mobil­te­le­fon und/oder die Kre­dit­kar­te geklaut wer­den, und der trotz­dem der Poli­zei vor­sätz­lich nur „sehr abs­trak­te“ Täter­be­schrei­bun­gen lie­fert.

Er ist einer, der seit zwan­zig Jah­ren nicht eigent­lich in, son­dern gegen Paris lebt. Gegen die mie­sen Wohn­ver­hält­nis­se, gegen den Ver­kehrs­in­farkt, gegen die auto­ri­tä­re Arbeits­kul­tur und nicht zuletzt gegen die völ­lig über­schät­ze fran­zö­si­sche Ess­kul­tur. Lorenz Eber­le spielt einen jener Belei­dig­ten und Ernied­rig­ten, der trotz allem wild ent­schlos­sen sind, die Welt in rosa­rot zu sehen. Das ist einer­seits umwer­fend komisch und ande­rer­seits auch ziem­lich trau­rig.

Tom Heit­hoffs Hör­spiel ist – dann doch – ein atmo­sphä­risch dich­tes Por­trät gewor­den. Ein Dop­pel­por­trät. Einer­seits eine Lie­bes­er­klä­rung an den begna­de­ten Radio­per­for­mer Lorenz Eber­le und ande­rer­seits ein Por­trät der Stadt Paris, die zwar kein freund­li­cher Ort ist, aber wenigs­tens unter ihren üblen Mög­lich­kei­ten bleibt.

Dafür vie­len Dank, Tom Heit­hoff.

 

Josef Maria Schäfers: Visual zu "Mausspiel" vom Mia Frimmer, Bild Tito Loria.

Josef Maria Schä­fers: Visu­al zu „Maus­spiel“ vom Mia Frim­mer, Bild Tito Loria.

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