Das 5. BHF: Der dritte Tag /// Das lange brennende Mikro

Der drit­te und letz­te Tag des 5. Ber­li­ner Hör­spiel­fes­ti­vals war wesent­lich ent­spann­ter als die vor­her­ge­hen­den. 25 kür­zes­te, kur­ze und lan­ge Hör­spie­le waren schon gehört, blie­ben noch zwei aus dem Wett­be­werb um /// Das lan­ge bren­nen­de Mikro. Dann wur­de der Jury­preis ver­lie­hen und die Preis­trä­ger­stü­cke aus allen drei Kate­go­ri­en wur­den noch ein­mal vor­ge­spielt. Alle Preis­trä­ger, die Jury­be­grün­dun­gen und loben­den Erwäh­nun­gen fin­det man hier.

Giuseppe Maio, Albrecht Panknin. Foto: Etienne Röder

Giu­sep­pe Maio, Albrecht Pan­knin. Foto: Eti­en­ne Röder

Los ging es mit Albrecht Pankins Hör­spiel „Aben­teu­er Frie­den“, einer rotz­fre­chen Mischung als Bezie­hungs­the­ra­pie und Gesell­schafts­kri­tik unter­malt von selbst­kom­po­nier­ten und selbst­ge­sun­ge­nen Lie­dern von bezau­bern­der Beklopptheit.

 

 

 

 

 

Giuseppe Maio, Andrej Tschitschil. Foto: Etienne Röder

Giu­sep­pe Maio, Andrej Tschit­schil. Foto: Eti­en­ne Röder

Dann folg­te Sebas­ti­an Hockes Hörspiel„Dein Leben als Event“, das aus einer gro­ßen Hass­lie­be sei­ner Hei­mat­stadt ent­stan­den ist: Bran­den­burg, seit Jahr­hun­der­ten Haupt­stadt aller Gede­mü­tig­ten und Ernied­rig­ten. Koau­tor Andrej Tschit­schil stand Rede und Ant­wort zum im Auf­trag des Ver­eins Lausch­kul­tur ent­schen­de­nen Stü­ckes, in dem ein hilf­lo­ser Repor­ter auf die bran­den­bur­gi­schen Stur­schä­del trifft, die par­tout kei­ne 100.000 Euro gewin­nen wol­len, wenn sie dafür Ihre Lebens­ge­schich­te ans Pri­vat­ra­dio ver­kau­fen müs­sen.

 

 

Tobias Dutschke. Foto: Etienne Röder

Tobi­as Dutsch­ke. Foto: Eti­en­ne Röder

Inter­mez­zo: Tobi­as Dutsch­ke über­zeug­te mit einer  rasan­ten Ver­bal­per­for­mance über die Hohl­welt­en­theo­rie. Unter ande­rem Adolf Hit­ler und Rudolf Stei­ner bewoh­nen die Innen­sei­te der Erde und machen sich wegen des Ozon­lochs über den Polen Sor­gen um den Fort­be­stand ihrer Welt.

 

 

 

 

Giuseppe Maio. Foto: Etienne Röder

Giu­sep­pe Maio. Foto: Eti­en­ne Röder

Bevor es dann zur Preis­ver­lei­hung ging, nahm Hör­spiel-und Fea­ture­ma­cher Giu­sep­pe Maio, der den Abend auch sou­ve­rän mode­rier­te, die Hör­spiel­sounds aus den Smart­pho­nes auf, die ihm aus dem hör­spiel­af­fi­nen Publi­kum ent­ge­gen­reckt wur­de. Das ers­te Ber­li­ner Hör­spiel­fes­ti­val-Ready­ma­de­hör­spiel klingt so:

5. BHF 2013 Hör­spiel-Ready­ma­de ▶ custom play­er

 

 

 

Jochen Meißner. Foto: Etienne Röder

Foto: Eti­en­ne Röder

Bevor es zur Preis­ver­lei­hung kom­men konn­te, lausch­te der Jury­vor­sit­zen­de Jochen Meiß­ner ver­zwei­felt der Auf­nah­me vom Todes­kampf eines bren­nen­den Mikro­phons, das von dem fran­zö­si­schen Künst­ler Mat­t­hieu Sala­din ange­zün­det wor­den war.

 

 

 

Und dann war es soweit:

///Das lange brennende Mikro

ging an:

Ira­ni­an Voices – Repu­blik der Ver­rück­ten von Oli­ver Kont­ny

Die Begrün­dung der Jury:

Oliver Kontny. Foto: Tim Zülch

Oli­ver Kont­ny. Foto: Tim Zülch

Die lite­ra­ri­schen, doku­men­ta­ri­schen und musi­ka­li­schen Ele­men­te, die sich Oli­ver Kont­nys Hör­spiel „Ira­ni­an Voices – Repu­blik der Ver­rück­ten“ zu einer radio­pho­nen Gesamt­kom­po­si­ti­on ver­ei­ni­gen, wür­den schon für sich allei­ne gese­hen Stoff für ein Hör­spiel, ein Fea­ture und ein Klang­kunst­stück erge­ben. Die alt­per­si­sche Lie­bes­ge­schich­te von Lai­la und Mad­j­nun lässt sich mühe­los an gegen­wär­ti­ge Lie­bes- und Gen­der­dis­kur­se anschlie­ßen. Die Nach­rich­ten aus der miso­gy­nen und homo­pho­ben Welt der ver­rück­ten isla­mi­schen Repu­blik Iran befeu­ern die poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen um Frei­heit und Eman­zi­pa­ti­on aus isla­mis­ti­schen oder ande­ren Dik­ta­tu­ren. Die Musik des Gitar­ris­ten und Kom­po­nis­ten Marc Sinan schließ­lich erfüllt nie eine nur folk­lo­ris­tisch-illus­tra­ti­ve Funk­ti­on, son­dern ist hör­bar von Ein­flüs­sen der Neu­en Musik und (in ihren voka­len Pas­sa­gen) des Free-Jazz geprägt. Die Sprech­hal­tun­gen der Stim­men in „Ira­ni­an Voices“ vari­ie­ren: vom kühl-sar­kas­ti­schen Kon­sta­tie­ren staat­lich sank­tio­nier­ter Grau­sam­kei­ten bis hin zu cho­ri­scher Hys­te­rie bei ihrer Ver­tei­di­gung in einer Gerichts­ver­hand­lung. Ins­ge­samt ergibt sich ein for­mal wie inhalt­lich unge­mein reich­hal­ti­ges Stück und eine – trotz des teil­wei­se bedrü­cken­den The­mas – lust­vol­le Über­for­de­rung des Hörers, der bei jedem Hören neue Dimen­sio­nen des eben­so lite­ra­ri­schen wie rea­li­täts­ge­sät­tig­ten Stü­ckes ent­de­cken wird.

 

 

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