Das 5. Berliner Hörspielfestival 2013 – Die Gewinner

/// Das lange brennende Mikro

Der mit einem Stu­dio­mi­kro­phon von Brau­ner dotier­te Jury­preis geht an:

Ira­ni­an Voices – Repu­blik der Ver­rück­ten von Oli­ver Kont­ny

Teaser: Ira­ni­an Voices – Repu­blik der Ver­rück­ten

Die lite­ra­ri­schen, doku­men­ta­ri­schen und musi­ka­li­schen Ele­men­te, die sich Oli­ver Kont­nys Hör­spiel „Ira­ni­an Voices – Repu­blik der Ver­rück­ten“ zu einer radio­pho­nen Gesamt­kom­po­si­ti­on ver­ei­ni­gen, wür­den schon für sich allei­ne gese­hen Stoff für ein Hör­spiel, ein Fea­ture und ein Klang­kunst­stück erge­ben. Die alt­per­si­sche Lie­bes­ge­schich­te von Lai­la und Mad­j­nun lässt sich mühe­los an gegen­wär­ti­ge Lie­bes- und Gen­der­dis­kur­se anschlie­ßen. Die Nach­rich­ten aus der miso­gy­nen und homo­pho­ben Welt der ver­rück­ten isla­mi­schen Repu­blik Iran befeu­ern die poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen um Frei­heit und Eman­zi­pa­ti­on aus isla­mis­ti­schen oder ande­ren Dik­ta­tu­ren. Die Musik des Gitar­ris­ten und Kom­po­nis­ten Marc Sinan schließ­lich erfüllt nie eine nur folk­lo­ris­tisch-illus­tra­ti­ve Funk­ti­on, son­dern ist hör­bar von Ein­flüs­sen der Neu­en Musik und (in ihren voka­len Pas­sa­gen) des Free-Jazz geprägt. Die Sprech­hal­tun­gen der Stim­men in „Ira­ni­an Voices“ vari­ie­ren: vom kühl-sar­kas­ti­schen Kon­sta­tie­ren staat­lich sank­tio­nier­ter Grau­sam­kei­ten bis hin zu cho­ri­scher Hys­te­rie bei ihrer Ver­tei­di­gung in einer Gerichts­ver­hand­lung. Ins­ge­samt ergibt sich ein for­mal wie inhalt­lich unge­mein reich­hal­ti­ges Stück und eine – trotz des teil­wei­se bedrü­cken­den The­mas – lust­vol­le Über­for­de­rung des Hörers, der bei jedem Hören neue Dimen­sio­nen des eben­so lite­ra­ri­schen wie rea­li­täts­ge­sät­tig­ten Stü­ckes ent­de­cken wird.

 

Susanne Franzmeyer, Jochen Meißner, Elmira Bahrami. Foto: Etienne Röder

Susan­ne Franz­mey­er, Jochen Meiß­ner, Elmi­ra Bahra­mi (Ensem­ble­mit­glied Ira­ni­an Voices). Foto: Eti­en­ne Röder

Lobende Erwähnung für Odyssee von Suzanne Hensel und Carsten Schneider

Teaser Odys­see

Mit ihrem Hör­spiel „Odys­see“, das im Umfeld einer Thea­ter­in­sze­nie­rung ent­stan­den ist, gelingt Suz­an­ne Hen­sel und Cars­ten Schnei­der ein neu­er Zugriff auf einen der meist behan­del­ten Stof­fe der Welt­li­te­ra­tur. Im wech­seln­den Modus von Zita­ti­on, Ima­gi­na­ti­on und Von-sich-selbst-Reden schrei­ben die jun­gen und alten Stim­men der Mit­wir­ken­den die mythi­sche Geschich­te von Odys­seus, Pene­lo­pe und Tele­ma­chos auf dem Hin­ter­grund ihren eige­nen Erfah­rungs­wel­ten fort. Haut­nah erlebt man aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven die Ver­fer­ti­gung des Mythos beim Reden. Sei­nen packen­den dra­ma­ti­schen Rhyth­mus bekommt das Stück trotz, bezie­hungs­wei­se gera­de wegen, der weit­ge­hen­den Beschrän­kung der akus­ti­schen Mit­tel auf Schnitt und Mon­ta­ge.

 

Lobende Erwähnung für Nur Berlin ist auch zu viel!!! von N.J. Lehmann

Teaser: Nur Ber­lin ist auch zu viel

Dass nur Ber­lin auch zu viel sein kann, wis­sen Ein­ge­bo­re­ne und Zuge­zo­ge­ne glei­cher­ma­ßen. N.J. Leh­man erlaubt in sei­nem Hör­spiel einen unver­stell­ten Ein­blick in den Mikro­kos­mos einer Bezie­hung, die sich nicht nur im Ste­reo­bild anein­an­der vor­bei ent­wi­ckelt. In der Gesamt­kom­po­si­ti­on ver­mit­telt sich dem Hörer, der sich dar­auf ein­lässt, auf sehr sinn­li­che Wei­se ein beson­de­res Lebens­ge­fühl. Die unper­fek­te Ästhe­tik in Auf­nah­me und Mon­ta­ge unter­streicht die authen­ti­sche Anmu­tung sei­ner Prot­ago­nis­ten, die ihren Platz in der Welt und in der Stadt noch suchen. Dabei möch­ten wir sie und ihren Autor ermu­ti­gen.

 

/// Das kurze brennende Miko

Das mit einem Stu­dio­mi­krophn von Røde dotier­te Publi­kums­preis geht an:

Buz­zer von Annet­te Scheld – ein halb­do­ku­men­ta­ri­sches Stück über einen rus­si­schen Kurz­wel­len­sen­der, der seit Jahr­zehn­ten mit klei­nen Unter­bre­chun­gen 25 Mal pro Minu­te einen Brumm­ton sen­det.

Teaser: Buz­zer

2. Platz Der Wahn­sinn des Doku­men­ta­ris­ten von Gabi Schaff­ner

Teaser: Der Wahn­sinn des Doku­men­ta­ris­ten

3. Platz Malin­ka von Johan Andrén

Teaser: Malin­ka

 

/// Das glühende Knopfmikro

Der mit einem Ori­gi­nal­kopf-Mikro­phon von Sound­man Ber­lin dotier­te Publi­kums­preis geht an:

Ich mach’s kurz: berufs­tä­tig von Jan Fre­de­rik Vogt – eine Frau teilt ihre Freu­de über ein pre­kä­res Arbeits­ver­hält­nis dem Anruf­be­ant­wor­ter ihrer Freun­din mit.

 

Den zwei­ten Platz tei­len sich bei Stim­men­gleich­heit

Kon­kret gesagt – Bau­frau von Chris­ti­an Ber­ner

und

Die Men­schen eines Tages von Suz­an­ne Hen­sel und Cars­ten Schnei­der

 

 

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