8. BHF Das war der dritte Tag 1 /// Das lange brennende Mikro

Am dritten Tag des 8. BHF im Theaterdiscounter umrahmten zwei Langhörspiele den Wettbewerb um /// Das glühende Knopfmikro. Mehr dazu hier nebenan.

Theaterdiscounter. Bild: Tom Ben Guischard.

Theaterdiscounter. Bild: Tom Ben Guischard.

Auch am dritten Tag war es mal wieder voll beim 8. BHF im Theaterdiscounter.

Das guttaussehnde Publikum des 8. BHF. Bild: Tom Ben Guischard.

Bild: Tom Ben Guischard.

Stephan Roiss und die Band Tortoma: Heiko Ruth, Markus Theisen, Dirk Borho. Bild: Sophia Sprengel.

Stephan Roiss und die Band Tortoma: Heiko Ruth, Markus Theisen, Dirk Borho. Bild: Sophia Sprengel.

Los ging es mit dem Langhörspiel „Vorerst niemals Chicago“ von Stephan Roiss und der Band Tortoma.
„Chewing Gum Makes a Demon Really happy“ von Rainaldas Obukas und Simone Halder.  

Jochen Meißner (Endjury), Silvia Vormelker (Vorjury). Bild: Tom Ben Guischard.

Jochen Meißner (Endjury), Silvia Vormelker (Vorjury). Bild: Tom Ben Guischard.

Nach einem Schnelldurchlauf durch die sieben nomierten Stücke des Wettbewerbs um /// Das lange brennende Mikro …
… wurde die mit Spannung erwartete Entscheidung bekanntgegeben: Gewinnerin des mit einem Mikrophon von Neumann Berlin dotierten langen brennenden Mikros ist Tina Saum für ihr auf einem Audiowalk basierenden Hörspiel „fremdkörper“.

Tina Saum und Vito Pinto .Bild: Tom Ben Guischard.

Tina Saum und Vito Pinto. Bild: Tom Ben Guischard.

Der Jurypreis /// Das lange brennende Mikro des 8. Berliner Hörspielfestivals geht an das Hörspiel „fremdkörper“ von Tina Saum. Hier die Begründung der Jury:

Mit einem sehr reduzierten akustischen Frequenzgang in der Stimme und einem sehr breitem Stereopanorama im akustischen Raum lenkt uns das Hörspiel zwei Stuttgarter Straßenzügen entlang, die stadtauswärts führen und letztendlich in der Vergangenheit von Ljubija, einer kleinen Stadt in Bosnien-Herzegowina, enden. Aus einer räumlich verorteten Geschichte wird eine des „Dazwischen“ – aus der Dreidimensionalität des Raumes wird ein zweidimensionales Hörbild in stereo.

Was als ortsbezogener Audiowalk seinen Ausgang genommen hat, funktioniert auch in der eindimensionalen Linearität der zeitbasieren Kunstform Hörspiel. Denn das Stück setzt nicht nur auf die optischen Eindrücke am Wegesrand, sondern mit der Überblendung der Räume findet zugleich auch eine Überblendung der Zeiten statt. Von der gegenwärtigen Bundesrepublik, durch die sich der Körper der vor dem Krieg geflohenen Hauptfigur Frieda bewegt wie durch die Fremde, bis in ihre Heimat, das ehemalige Jugoslawien, braucht es nur einen Sprung von rechts nach links im Stereopanorama.

Der Konsequenz in der formalen Gestaltung korrespondiert eine Dringlichkeit des Stoffes. Denn im Jahr 1991 stehen die versteinerten Verhältnisse des spätsozialistischen Regimes kurz vor der Explosion in einen Bürgerkrieg, dessen schreckliche Konsequenzen auf berührende Weise thematisiert werden. Frieda kehrt in ihre alte Heimat zurück, um ihren verschleppten Vater zu suchen – auch wenn sie dadurch ihrem Duldungstatus in der Bundesrepublik verliert. Die Stimme der Schauspielerin Dijana Antunović – und es ist nur diese eine Stimme – verleiht den starken Bildern eines poetischen Textes ihren intensiven Ausdruck. Durch die dezent hypnotische Musikdramaturgie gewinnt der Text eine zu dem Monolog passende Spannungsebene.

Die Jury: Ulrike  Haage, Anja Mauruschat, Dominik Busch, Jochen Meißner.

 

 

 

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